Ohje, schon wieder eine Woche um!

Mann-o-man-o-man (haha, das hab ich ja noch nie ausgeschrieben!), es ist ja schon wieder eine Woche her, seit ich das letzte Mal von meinem Start in Stockholm berichtet habe! Das heißt, auch diesmal wird es wieder ein ellenlanger Bericht werden – sorry Jens, da musst du wohl wieder durch ;) Ramona kann ihn dir ja vorlesen! :)

Wo habe ich denn letztes Mal aufgehört? Bei meinem Kehl-Besuch, denke ich! Also, am Montag war ich ja dann endlich erschöpft und müde wieder in Silkes Wohnung angekommen und deshalb haben wir auch nichts großes mehr unternommen – wir haben, glaube ich, Cowboys und Aliens geschaut (die erste Hälfte) und fanden ihn nur so naja, also haben wir mittendrin abgebrochen und sind schlafen gegangen!

Am Dienstag darauf habe ich mich in meinem Reiseführer schlau gemacht, was man bei schlechterem Wetter hier so tun könnte, denn es sah verdächtig regnerisch aus – und tatsächlich habe ich sogar etwas kostenloses gefunden (ansonsten muss ich sagen, dass es hier alles ziemlich teuer ist, auch die Museen finde ich überteuert)! Das Stadsmuseum in Slussen sollte einen kleinen Einblick in die Geschichte Stockholms geben und war frei zugänglich! Juhuuu :) Also bin ich dort natürlich sofort hin und ich war begeistert! Das war alles sooo liebevoll eingerichtet, es gab lauter Spielecken für die Kleinen, in denen sie mit auf alt getrimmten Häusern spielen konnten und so spielerisch ein bisschen Geschichte erleben konnten, aber auch für die Großen gab es mehr als genug zu sehen! Sogar eine kleine Kammer mit einer wohl typischen Stockholm-Wohnung war zu sehen (ich konnte leider nicht rausfinden, aus welcher Zeit das wohl wäre) und eine kleine Schule! :) Und, weniger überraschend, es gab auch eine kleine Ecke über die Millenium-Trilogie, in der das Büro von Michael Blomkvist  nachgestellt wurde, sehr süß :)

Danach bin ich durch die Gamla Stan nach Skeppsholmen gelaufen, da man von dort aus eine fantastische Sicht auf die Altstadt haben soll – das kann ich bestätigen, ich werd da gerne nochmal hingehn, wenn das Wetter besser ist.

30.08. – Skeppsholmen

Mittwochs war dann sozusagen mein letzter Tag vor dem Praktikum und zur „Feier des Tages“ (höhö) bin ich dann mal ausnahmsweise etwas früher aufgestanden, da ich mir vorgenommen hatte, die Wachablösung vor dem königlichen Schloss anzuschauen. War dann natürlich auch viel zu früh da und durfte mir erst mal die Beine in den Bauch stehen (was mir aber leider nicht zu einem guten Platz verholfen hat, DAFÜR war ich dann schon wieder zu spät… -.- ). Das Spektakel mag ja schön und gut sein, aber ich finde, da wurde etwas zu viel Aufstand gemacht, bis dann am Ende 3 Leute ihre Plätze getauscht haben… so mit Pferden und allem… naja. Bin dann auch nicht bis zum Ende geblieben, weil die Leute von hinten so aggressiv wurden und immer mehr gedrängelt haben (so nach dem Motto: „Hey, du bist zwar schon fast eine Stunde hier und hast dir deinen Platz ehrenhaft erstanden (Wortwitz!), aber jetzt hast du doch endlich genug gesehen oder? Geh weg, sonst bohr ich dir meinen Ellbogen in den Rücken oder hau dir meine Kamera auf den Schädel! :) “ … und da ich in letzter Zeit immer mehr dazu tendiere, in Menschenansammlungen Platzangst zu bekommen, habe ich dem stinkenden Asiaten hinter mir endlich den Gefallen getan und hab mich noch vor Ende aus der Menge gewühlt… pfft, anstrengend!

Danach wollte ich eigentlich noch auf den Turm vom Stadhuset, weil man von da aus eine wunderschöne Aussicht haben soll, aber da hätte ich dann Ewigkeiten warten müssen und darauf hatte ich irgendwie auch keine Lust – ich musste ja auch noch Last-Minute-Vorbereitungen für das Praktikum treffen. Sowas wie: Paper lesen. Zumindest die wichtigen, die ich für mein Projekt brauche. Die, die er mir vor 4 Monaten schon zugeschickt hat. Nein, ich hatte vorher wirklich üüüüberhaupt keine Zeit, die zu lesen, wirklich! Ich war 4 Monate durchgehend beschäftigt ;) Und am Abend habe ich dann mit Silke noch einiges für den nächsten Tag vorbereitet: Wir wollten Donnerstag Abend im Institut grillen (siehe unten), also mussten wir Nudelsalat vorbereiten und Silke hat mich dann in die Künste des Tiramisus eingeweiht. Ich bin mir nur noch nicht sicher, ob ich mit diesem Wissen weise umgehen kann! :o

31.08. – Wachablösung im Schloss

Donnerstag war es dann endlich so weit – um 2 Uhr nachmittags hatte mein Professor zum Meeting geladen (also ich muss schon sagen, das fängt gut an, der erste Tag ist gleich ein halber Tag! :) ). Während des Meetings habe ich eigentlich nicht viel Informationen bekommen, abgesehen von dem Eindruck, dass mein zukünftiger Chef wohl schon ziemlich locker ist… natürlich hat er das Karolinska Institut in den Himmel gelobt (was eigentlich lustig ist, braucht er doch gar nicht mehr, ich bin ja schon hier! Was soll ich denn machen, wieder gehen nach dem ersten Tag?!). Dann habe ich einen Schreibtisch zugewiesen (ohne Computer, leider…) und einen Rollcontainer ausgeräumt bekommen und  das wars eigentlich schon! Mein Chef ist dann mit der Aussage „Ich kümmere mich dann um alles“ gemeinsam mit einem der beiden Kollegen bis diese Woche Donnerstag nach Paris gefahren und hat mich den Händen der anderen Studentin übergeben… die Vasso ist ne ganz Liebe, aber ich habe so das Gefühl, dass sie ihre eigenen Sorgen hat und nicht so drauf erpicht ist, noch ne Studentin an der Backe zu haben :)

Naja. Nachdem ich mir einen Bleistift und einen Kugelschreiber auf den Schreibtisch gelegt habe, hatte ich dann auch nichts weiter zu tun, außer Paper & alte Doktorarbeiten zu lesen…

Am Abend hatten wir dann unser Grillfest, wobei wir nur einen älteren Einweg-Grill hatten und der erstmal eeeeewig gedauert hat um anzugehen… in der Zwischenzeit hatten wir auch schon aufgegeben und unsere Würstchen den Pfannen und dem Ofen überlassen. Zusammen mit dem Nudelsalat wars dann aber wirklich lecker und das Tiramisu als Nachtisch war einfach genial! Und von Vanessa (die leider nicht dabei war, weil sie krank war) gab es noch einen Apfelkuchen, wobei es mehr ein Apfelkeks geworden ist :) Lecker wars trotzdem!

Freitags bin ich dann auch erst zum Mittagessen ins Labor, da Vasso mir schon gesagt hatte, dass sie erst hinterher da sein wird um mir die „Animal facility“ zu zeigen (dort werden die Verhaltensversuche gemacht). Die anderen hatten alle nichts zu essen dabei, also sind wir in die Kantine gegangen, wobei ich noch eine Wurst und Nudelsalat vom Vortag hatte – aber als ich mir dort Messer & Gabel zum Essen nehmen wollte, wurde ich behandelt wie eine Kleinkriminelle! :D Das war sehr lächerlich zu sehen, da kam direkt eine der Mitarbeiterinen auf mich zugerannt, irgendwas Schwedisches vor sich hinrufend, um mir dann das Besteck mit den Worten „You cannot eat here.“ wegzunehmen. Ooooh man. Hab mich dann rausgesetzt, auf die anderen gewartet und die haben mir dann nochmal Besteck rausgeschmuggelt (und sogar WASSER! Für das ich nicht bezahlt habe haha)… Das war sehr lächerlich irgendwie…

Am Freitag ist Silke auch nach Deutschland aufgebrochen, ihre Eltern besuchen, womit ich dann alleine in dem Zimmer war. Das war irgendwie ganz merkwürdig, ich glaube, das war das erste Mal, dass ich in Schweden ganz alleine war :) Aber ich bin immerhin nicht verhungert! Abends hatte Teresa dann die Idee, dass wir nach Södermalm ins Debaser gehen könnten, da gab es ein Konzert und wenn man vor 10 Uhr da ist, muss man auch keinen Eintritt bezahlen! Die 1. Band war an sich sehr gut, aber etwas ruhig für ein Konzert – die Frau hatte dafür eine unglaubliche Stimme! Die 2. Band war dann schon etwas rockiger, hat mir auf jeden Fall gut gefallen!

Als am Samstag sogar die Sonne rauskam, habe ich mich auch „schon“ um 11 aus dem Bett gequält und wollte wirklich gerne hinaus ins Grüne – also war der Plan: Mit dem Bus nach Djurgarden und bis hinein in die grüne Pampa und dann den Weg zurück laufen. Hab mich dann auf den Weg gemacht und wollte T-Centralen umsteigen, als ich erst mal stutzig geworden bin – der ganze Platz war voll mit irgendwelchen Ständen. Und über allem: Eine große Brezel! Keine echte natürlich, aber wer macht schon eine 1 Meter breite Luftballon-Brezel auf den Stand, wenn er nur … weiß auch nicht, Rheumasocken oder so verkauft? Bin dann erst mal direkt hingerannt (es mag sein, dass der ein oder andere bei meinem zielstrebigen Marsch im Matsch gelandet ist… nein, ach was, das war ja alles betoniert da ;) ) – da gab es taaatsächlich gute, deutsche Brezeln! So tolle laugige! Mit Käse oder als Pizza-Variante oder mit Butter! Für 40 Kronen… naja, schon teuer… hab mir am Abend aber doch eine gegönnt, weil sie da grade frisch gebackene Käsebrezeln hatten, außerdem waren die viel größer als die von der eng verwandten deutschen Art (Brezelius germanica).

Aber zurück zum Abenteuer Djurgarden: Leider kam ich nicht mal bis Djurgardsbron, da an diesem Tag das Tjejmilen stattfand, ein Marathon für Frauen, der so ziemlich genau di Strecke ging, die ich mir ausgesucht hatte… das wusste ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht! Habe mich dann so halb parallel zur Laufstrecke am Kanal entlang (schööön! Wasser und grün!) in Richtung Halbinsel-Spitze bewegt, was an sich auch nicht schlecht war, weil entlang der Laufstrecke immer mal wieder Bands was zum Besten gaben und die waren eigentlich alle gut! Aber irgendwann habe ich dann eingesehen, dass mein Plan nicht aufgeht und habe mich auf der anderen Seite des Kanals wieder auf den Heimweg gemacht!

03.09. – Djurgarden und Tjejmilen

Daheim habe ich dann Windows 7 auf meinen Laptop gehauen (juhu, es hat alles funktioniert!) und am Abend hab ich mich mit Christine, Teresa und Mino auf ein Bier in einem Pub getroffen!

Sonntags war schließlich auch wieder ein Hau-alle-Pläne-über-den-Haufen-Tag! Geplant war: Mit dem Schiff nach Drottningholm, wo das Schloss steht und ein schöner königlicher Garten zu besichtigen ist. Das Wetter war aber eher so: Ich durchkreuze eure Pläne und tue am Anfang so, als wäre es gutes Wetter, sobald du das Boot betreten willst, lasse ich aber ein bisschen die Welt untergehen. Wenn ich dich dann überzeugt habe, dass es gleich auf jeeeeden Fall regnen wird, warte ich noch ein bisschen und dann lasse ich wieder ein bisschen die Sonne scheinen. In Your Face.

Da ich aber grade im richtigen Zweifel-Moment von Christine eine SMS bekommen habe, dass sie Lust hatte, was zu unternehmen, bin ich erst mal zu ihr gefahren in ihre echt unglaublich schöne und große Wohnung (nein, keine Ironie! Die ist wirklich toll!) und habe mit ihr gefrühstückt. Danach haben wir den Samstags-Plan aufgegriffen, denn an diesem Tag sollte der Marathon vorbei sein! Also rein in die 69 (das ist die Busnummer!!) und ab nach Blockhushudden! Von dort aus sind wir dann durchs schöne Grüne gelaufen und haben uns unterhalten und es war wirklich schön :)

04.09. – Djurgarden & Blockhushudden

Am Abend haben wir uns noch eine Käsebrezel geteilt und dann bin ich nach Hause, wo ich dann auch schon von Niki, Mama, Cindy, Baby, Mele, Ramona und Jens im Skype empfangen wurde (nicht alle auf einmal, aber nacheinander! Insgesamt habe ich aber fast 4 Stunden geskyped und eigentlich hätten es noch mehr werden sollen – Papa und Iris, wolltet ihr nicht auch kommen? :) Na, vielleicht klappt das ja noch die Woche!)

Und heute, am Montag, bin ich auch erst um 11 ins Labor gegangen, um dann feststellen zu dürfen, dass das Büro abgeschlossen war und ich nichtmal an den Schreibtisch konnte :( Hab dann aber nach über einer Stunde im-Flur-rumsitzen (wo es aber immerhin Sofas und sowas gab)  jemanden mit Schlüssel gefunden :) Außerdem waren wir nochmal zum Mittagessen (mmmh, Reis mit Avocado) und da haben wir auch wieder Christine getroffen, die ihre neue Praktikantin Laura vorgestellt hat – lustige Runde jedenfalls! Nachdem ich dann genug Paper gelesen habe, hab ich mich dann auf den Heimweg gemacht… Silke wollte auch gerne gegen 5/halb 6 in ihre Wohnung eingelassen werden, nachdem die Arme fast den ganzen Tag in irgendwelchen Transportvehikeln verbracht hatte!

Um 7 hab ich mich  mit Leslie getroffen, die meine Zwischenvermieterin ist! Sie wollte mir endlich das Zimmer zeigen, in dem ich in der nächsten Zeit wohnen werde :) Haben uns auch schön in der Innenstadt getroffen und sie ist mit mir da hin gefahren – ich weiß nicht, ob ichs alleine gefunden hätte :-) Vermutlich schon… auf jeden Fall finde ich das Zimmer total schön, auch wenn es klein ist, die Küche ist großartig, das Badezimmer wäre verbesserungswürdig, aber ist ok und meine neue Mitbewohnerin ab Samstag heißt Laura. Die ganz spitzfindigen unter euch wundern sich jetzt: Laura? Das hab ich doch sogar schon mal gelesen, grade ein paar Sätze zuvor. Ja. Und obwohl es ein sehr häufiger Name ist, meine ich diesmal sogar ein und dieselbe Laura! Witzigerweise ist meine Mitbewohnerin die Praktikantin von Christine, auch wenn wir das vorher nicht wussten! :) Wieder so eine Die-Welt-ist-ein-Dorf-Geschichte :) Hihi. Hach, ja, ich freu mich auf jeden Fall schon, da einzuziehen :) Auch wenn es etwas am Arsch der Welt liegt, sozusagen…

Und kann mir mal jemand den Trottel-Award verleihen, damit ichs offiziell habe? … :( Ich hab Silkes Fitnessclub-Mitgliedskarte verloren, die sie mir extra da gelassen hat, damit ich hier am Wochenende trainieren bzw. heute ins DanceFuego kann mit Teresa… und ich weiß nicht mal, wie das passieren konnte :( So ein Mist…

Schwedisch für Angefangene und Fortgeschrittene

Pepparkaka
Pfefferkuchen

2 hatten was zu melden

  1. Niki schreibt:

    Haha xD Das is einer der lustigsten – wenn nicht DER lustigste post, den du je gepostet hast! Sehr geil geschrieben, bin hier nur am grinsen. xD Brezelius germanica.. xD

    Ich bin immer wieder erstaunt, dass dir sowas „die-Welt-ist-so-klein“-mäßiges passiert – ich hab das Glück nicht so oft. :(

    Ich weigere mich aber, dir den erwünschten Trottel-Award zu überreichen – den hätt ich auch schon oft genug verdient und hab ihn nicht bekommen! Pff..

    Freu mich, dass du so viel berichten kannst :) Mach weiter so, du Ding! :*

  2. Iris schreibt:

    Hi Julchen, danke für deinen tollen Bericht. Zur Zeit ist alles etwas stressig hier. Oma hat einige Behördengänge zu erledigen, am Samstag waren wir mit ihr neue Möbel kaufen und unser Umzug befindet sich auch schon in der Planung. Dadurch das alles sehr überraschend kam, wird die Zeit bis Weihnachten nicht langweilig. Einen Flug zu dir konnten wir noch nicht buchen, da ich immer noch nicht weiß wie es bei mir weiter läuft. Sobald wir näheres wissen, melden wir uns.
    Sei lieb gegrüsst und geknuddelt von zuhause!
    Iris

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