Time flies not only when you’re having fun

Schon wieder so viel Zeit vergangen, unglaublich. Es ist schon Mitte November, ich kann es gar nicht fassen… aber im Moment komme ich mir eh vor wie ein Roboter, ich mache und mache und mein Gehirn befindet sich irgendwo anders…

Letzte Woche habe ich auch nur gegammelt & geskyped, wie man das von mir unter der Woche so kennt, aber immerhin habe ich im Labor ein Experiment gemacht!!! Könnt ihr das glauben? Sogar ein molekularbiologisches, das heißt ich hatte wirklich wieder eine Pipette in der Hand! :) Hatte schon ganz vergessen, wie sich das anfühlt… wir haben eine RT-PCR gemacht (das werde ich für die Nicht-Biologen jetzt aber nicht weiter ausführen, das ginge zu weit!), das hat mich immerhin ganze 2 Tage beschäftigt. Naja. Einigermaßen zumindest!

Am Freitag, als dann endlich Wochenende war, hat Mino für uns im Lunchraum vom KI gekocht. Es gab Pasta mit Paprika-Wuerstchen-Sahne Sauce (war natürlich wieder viel zu spät dran… diese Italiener… geplant war, dass wir um 19:15 Uhr essen, er hat aber erst um 20:15 angefangen zu kochen, typisch…), danach haben wir noch meine griechische Kollegin getroffen und sind mit ihr und 2 anderen Griechen in eine komische Bar am Medborgarplatsen… da waren nur Hipster und es war klein und wir saßen direkt neben der Tür, aber immerhin gab es Bier. Nachdem wir zu viert 2 Biere getrunken hatten, kam Mino auf die großartige Idee, er könne ja das Bierglas mit dem Dosenbier, das er noch vom Kochabend dabei hatte, auffüllen. Leider kam in dem Moment die Bedienung vorbei, um ein paar Gläser abzuräumen, der hat das wohl nicht so gefallen, sie hat ihm die Dose weggenommen. Er hat sich darüber natürlich beschwert, aber ich bin ja ganz froh, dass sie uns nicht rausgeschmissen hat!

Samstag früh habe ich mich an den Vodka-Wackelpudding gemacht, den ich Christine für ihre „Einweihungs“party versprochen habe. Habe die Götterspeise dann zu Christine gebracht und schonmal da deponiert, und um 15:30 Uhr habe ich mich mit Silke am KI getroffen, da ihre alte Tanzgruppe (Blåslaget oder ähnlich) ein Konzert gegeben hat – hier ist das wohl so, dass so Studentenclubs sich oft zusammentun, Blåslaget bestand also nicht nur aus der Tanzgruppe, sondern es gab noch ein zugehöriges Orchester. Die haben die Musik gemacht und die Mädels haben das Tanzbein geschwungen… es gab zwischendurch auch viel Comedy, die ich nicht verstanden habe, weil fast alles auf Schwedisch abgehalten wurde, aber es war trotzdem lustig, das ganze mit anzusehen. Vor allem, weil die Mädels da á la Moulin Rouge gekleidet waren und manche (eigentlich nur eine) in ihren Kostümen doch etwas danebengegriffen haben – Strapse und Spitze in allen Ehren, aber wenn der halbe Hintern und am Ende auch noch die halbe ähäm… „Weiblichkeit“ rausguckt, ist irgendwas schief gegangen ;) Alles in allem war es aber sehr lustig, denen zuzuschauen, aber gegen den TTV stinken die natürlich ab (das muss ich jetzt schreiben, sonst kommt Christl bestimmt und zieht mir beide Ohren lang…)

Nach dem Konzert (das ging bis ca. 7) sind Teresa und ich direkt zu Christine gefahren, wo sich auch schon einige andere Gäste eingefunden haben… es war eine lustige Party mit viel Alkohol (der Vodka-Jelly kam ganz gut an, auch wenn sich viele beschwert haben, er wäre zu stark ;) Wo gibt’s denn sowas…), aber eine Erkenntnis ist bei mir hängen geblieben: Im Trinkspiele spielen sind nur die Deutschen wirklich gut… Wir haben versucht, den Schweden, Brasilianern, Spaniern und Schotten, die da waren, Stadion beizubringen (ihr wisst schon… man zieht immer eine Karte und je nach Wert muss man was tun. 7 = linker Nachbar trinkt, 8 = rechter Nachbar, 9 = man selber etc…… Hauptsache trinken, ne?). Die anderen waren einfach viel zu ungeduldig, wenn es mal nicht weiter ging und viel zu Regel-versessen („Aber er muss doch jetzt auch trinken, wenn ich auch trinke, oder??“ – meine Güte, dann sags ihm einfach und trink. Darauf kommts schließlich an!).
Erstaunlicherweise waren sogar Laura & Lewis, meine Mitbewohner da. Die gehen sonst nie aus dem Haus, aber da Laura ja gerade bei Christine Praktikum macht, konnte sie sich wohl nicht davor drücken :) Mit denen bin ich dann auch heimgefahren um 1, weil da schon der letzte „direkte“ Bus fuhr (das heißt, nur 1 mal umsteigen und nicht 4 mal!)… und das an nem Samstag Abend… ts.

Sonntags war ich dann morgens brav joggen und habe den Rest des Tages sinnlos irgendwelche Serien geschaut und im Bett verbracht (mit Tee und Musik eingekuschelt), bevor ich mich um 15:30 Uhr wieder mit Silke getroffen hab. Ja, ihr habt vorhin richtig gelesen, ich war joggen. Da ich im Moment große Schlafprobleme habe, habe ich beschlossen, dass es vielleicht ganz gut wäre, meinen Körper mehr auszupowern und habe mir einen Jogging-Trainingsplan rausgesucht. Ich bin erst in Woche 2, aber es tut mir gut, ich kann um meine Wohnung herum im Wald laufen (noch ist es nicht zu kalt dafür, drückt die Daumen, dass es so bleibt!) und einfach mal das Gehirn abschalten… mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte ;)
Jedenfalls bin ich mit Silke ins Fotografiska Museum gegangen, wo sie eine schöne Ausstellung von Nick Brandt über Tiere haben. Die Bilder waren großartig, majestätisch (was genau seine Absicht war) und ich hätte das eine oder andere Stück auch gerne selbst besessen… tut sich bestimmt gut überm Sofa :)

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Quelle: Nick Brandt

Die restlichen Ausstellungen fand ich persönlich nicht so überzeugend, einige Bilder aus Süd-Schweden und eine Ausstellung über New York oder Mexico in den 40er bis 90er Jahre, das war zwar nett zu sehen, aber die Bilder an sich haben mir einfach nichts gesagt. Zum Teil war einfach zufällig irgendeine Straße fotografiert worden oder Menschen, die irgendwo liefen, nichts aussagekräftiges (meiner Meinung nach!)… Nur der Film, den es zu der Ausstellung gab, der zeigte ein bisschen das Leben, wie man es sich damals vorstellt. Spielende Buben auf den Straßen und tratschende Mütter in den Hauseingängen und sowas.. :) das war dann schon wieder sehr atmosphärisch…
Danach sind wir noch durch die Gamla Stan gelaufen und haben gehofft, dass die Weihnachtsbeleuchtung schon an sei (was sie aber noch nicht ist :( ) und haben Zuflucht in der Muffin Bakery gesucht, weil es so eisig war, wenn der Wind kam. Dort hat sich Mino auch noch dazugesellt auf einen Chai Latte (Mmh, war der lecker!), einen Muffin und ein paar tiefgründige Gespräche haha ;) Nachdem wir dann auch noch zusammen einkaufen waren im Lidl um die Ecke (ohje, soweit sind wir schon, Rudeleinkäufe!) habe ich mich dann aber nach Hause begeben zum rumgammeln und Tee trinken.

Am Montag musste ich schon ganz früh im Labor sein, weil wir um 9:00 Uhr schon mit der RT-PCR anfangen wollten – das hat uns immerhin eine ganze Stunde beschäftigt, die restliche Zeit hieß es für mich nur warten – ich hasse Inkubationszeiten bzw. Wartezeiten während irgendwelche Maschinen laufen… dann gabs noch ein kurzes Meeting mit meinem Chef, der mir mal wieder ein Paper versprochen hat, wenn ich das und das Experiment noch mache – und ich dachte mir mal wieder: Gib mir Arbeit. Ich machs. Egal was. BITTE!… Denn jetzt sitze ich schon wieder die ganze Zeit im Büro und habe nichts zu tun außer irgendwelche Literatur durchsuchen, ob schonmal jemand was ähnliches gemacht hat oder bla. Aber immerhin, besser als zu Hause zu sitzen mit Tee und Taschentüchern ;) Am Abend war ich im Dans Fuego, musste aber leider schon früher gehen, weil mein Magen solche Krämpfe hatte, dass ich kaum noch grade aus schauen konnte :S … außerdem hatte ich meine Bewerbungen für was auch immer nach Schweden kommt fertig gestellt und wollte die losschicken, sobald ich wieder zu Hause war, deshalb konnte ich es kaum erwarten ;) Um ehrlich zu sein, habe ich erst mal nur eine Bewerbung losgeschickt, an meine Traumstelle – an Abbott, eine Industriefirma in Ludwigshafen, die sich auch mit Neurowissenschaften und vor allem auch Verhaltensforschung (!!) beschäftigt.
In der Nacht habe ich dann mal die „Drogen“ von Monica probiert, die sie mir mitgegeben hat – da ich ja nicht schlafen kann habe ich die letzten 2 Wochen schon dauernd Baldrian-Tabletten genommen, aber das hat nur zum Einschlafen geholfen, durchschlafen konnte ich leider trotzdem nicht… Monica hatte das Problem auch schon und hatte noch ein paar Tabletten übrig, die ich dann mal ausprobiert habe…
Wirklich viel geholfen hat es nicht, aber ein bisschen ausgeruhter fühle ich mich schon… vielleicht nehme ich bald mal die volle Dröhnung ;) (man soll erst mal mit ner halben Tablette anfangen…)

Am Dienstag bin ich morgens wieder joggen gegangen (uuuh! Motivation!) und ansonsten habe ich endlich mein Ticket für das Karolinska Institut Christmas Dinner gekauft, das schieben wir schon seit Wochen vor uns her… immer darauf wartend, dass die anderen sich ja auch wirklich anmelden, weil man will da ja am Ende nicht alleine auftauchen ;) Aber da freu ich mich schon drauf, das wird wohl jedes Jahr ziemlich lustig und die meisten Leute am KI sind ja auch wirklich super gut drauf :)
Außerdem habe ich schon eine „positive“ Antwort von Abbott bekommen, dass sie schon sehr interessiert an meiner Bewerbung waren und dass sie mir in 1-2 Tagen nochmal schreiben, „most likely with the positive answer.“ Das ist natürlich noch keine Zusage, aber immerhin heißt das ja schon mal, dass sie mich grundsätzlich gut finden :) Wenn sie also einen Platz haben, krieg ich den hoffentlich auch! Daumen drücken, bitte :)

Heute bin ich erst ganz spät zur Arbeit gegangen, weil ich tatsächlich ganze 8 Stunden geschlafen haben! 1 ganze Tablette von Monicas „secret drug“ (so secret ist sie nicht, sie hat mir die Packungsbeilage mitgegeben und so :D ich nehm also hier nicht irgendwas!) hat wirklich geholfen, ich bin nicht alle 10 Minuten aufgewacht, sondern konnte bis um 9 Uhr durchschlafen :) danach hatte ich aber leichte Probleme, mich aus dem Bett zu quälen… :P man kanns aber auch nie recht machen…
Zu arbeiten gabs aber eh nicht viel, ich war kurz bei meiner anderen „supervisorin“ was diesen forced swim test angeht und habe mit ihr ein bisschen im Programm rumgespielt, was man da alles für Parameter verstellen kann, aber das wars auch… um 4 Uhr waren wir dann aber auch schon wieder verabredet, weil da auch hier in Stockholm der „PhD movie“ gezeigt wurde! Ich weiß nicht, ob ihr die Seite kennt oder nicht, aber ich denke, fast jeder Wissenschaftler der Welt kann sich mit den Comics von PhD Comics identifizieren, vielleicht sogar jeder Student der Welt ;) Der Zeichner, der diese Comics entwirft (er war übrigens mal Wissenschaftler und war so frustriert, dass er angefangen hat, die Comics zu machen und online zu stellen und jetzt verdient er damit so viel Geld, dass er seinen Job aufgeben konnte!), hat jetzt auch einen Film über das Dasein als Doktorand gemacht und der wird an vielen Universitäten umsonst gezeigt – so eben auch am KI. Und das tolle: Er war sogar selbst da und hat Fragen beantwortet und Bücher signiert! Der Film war an sich sehr lustig, aber er hat mich auch etwas deprimiert, da das ja eigentlich der Weg ist, den ich gehen will… aber er hat eben alles kritisiert, was wirklich wahr ist: Man kriegt keine Hilfe, man muss bei den Professoren betteln, wenn man etwas will, die Geräte sind oft veraltet und taugen nichts mehr, man kriegt oft keine Ergebnisse, obwohl man unter enormem Druck steht… ohje. Ihr seht schon. Keine schöne Welt. Als der Zeichner gefragt hat, wieviele Undergraduates (das heißt Leute, die noch nicht mit der Doktorarbeit angefangen haben) denn im Publikum sitzen, hat er nur zu uns gemeint: „RUN!!!“… Zukunftsweisend, oder?

Entschuldigung übrigens, dass es keine Bilder gibt, in letzter Zeit vergesse ich entweder dauernd meine Kamera zu Hause oder ich vergesse direkt, dass ich eine dabei habe… Ich versuche, es bald wieder zu ändern, für euch und auch für mich :)

Und das schwedische Wort der Woche ist natürlich wieder total hilfreich für euch, sowas muss man unbedingt wissen:

Schwedisch für Angefangene und Fortgeschrittene

osthyvel
Käsehobel

3 hatten was zu melden

  1. Iris schreibt:

    Hallo Jule,
    sorry, dass wir derzeit so schreibfaul sind, aber der Umzug hält uns auf Trapp. Wir hoffen natürlich alle, dass es dir bald wieder besser geht und du zu deinem alten „Murmeltierschlaf“ zurück findest. Das du aus Ludwigshafen schon ein positives Statement erhalten hast ist ja super und hoffentlich ein Lichtblick für dich.
    Hier ist alles ok. Die Arbeiten im Haus schreiten stetig voran. Omi fühlt sich in ihrer neuen Wohnung schon recht heimisch und es sieht sehr gemütlich aus. Weihnachtliche Stimmung will allerdings nicht aufkommen, zumal Paps Samstags zu diversen Fasnachtsveranstaltungen tourt, wo der TTV Auftritte hat.

    Sei lieb gegrüßt und geknuddelt.
    Iris

    Haben am Abend ein paarmal versucht dich im Skype zu erreichen, aber du warst leider nicht online, vielleicht demnächst.

  2. Jule schreibt:

    Hej Iris :) Ich freu mich ja, wenn ihr überhaupt schreibt! Wir müssen aber unter der Woche mal skypen, ihr müsst mir erzählen, wies im Haus läuft und alles :)
    Liebste Grüße aus Stockholm :*

  3. Charlie schreibt:

    Nur ganz kurz: ich drücke Dir die Daumen! :)
    Liebe Grüße aus Heidelberg

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